Unser Leitbild
Unser Leitbild bringt zum Ausdruck, wie wir als Evangelische Diakonieschwesternschaft Herrenberg-Korntal mit allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern uns selbst verstehen, wie wir die Aufgaben und Ziele unserer Arbeit sehen, und auf welche Verhaltensregeln wir uns verständigen wollen.
Es betrifft die Arbeit im Alltag, zeigt aber zugleich die Vision, durch die wir Orientierung gewinnen. So ist unser Leitbild dem, was wir im Alltag verwirklichen können, weit voraus und gibt gerade dadurch der täglichen Arbeit Sinn und Richtung.
Selbstverständnis und Auftrag
Die Evangelische Diakonieschwesternschaft Herrenberg-Korntal ist eine Gemeinschaft von Frauen und Männern in der evangelischen Kirche, die in der Pflege und Begleitung kranker, alter und behinderter Menschen und ihrer Angehörigen und in der Familienpflege ihre Hauptaufgabe sieht, aber auch andere diakonische Aufgaben wahrnimmt und offen ist für neue Herausforderungen. Wir nehmen den diakonischen Auftrag der Kirche wahr.
Das Evangelium von Jesus Christus ist Grundlage unseres Lebens und Arbeitens. Diakonie ist für uns Auftrag und Möglichkeit, die Zuwendung Gottes, aus der wir leben, anderen im Alltag und in Krisen- und Grenzsituationen erfahrbar zu machen. Im Gelingen und Scheitern sind wir dabei Lernende und aufeinander angewiesen.
Jedem Menschen ist von Gott Heil zugesagt. Erfahrbar wird es für den einzelnen, ob krank oder gesund, auch durch die Zuwendung von Mitmenschen, die sich vom Geist Jesu Christi leiten lassen.
Diakonisches Handeln, das aus diesem Geist lebt, findet seinen Ausdruck in Wertschätzung, kritischer Aufmerksamkeit, ermutigender Begleitung. Dabei geht es uns um den ganzen Menschen nach Leib, Seele und Geist. Besonders in Situationen, in denen Menschen persönlich und in ihrem Umfeld leiden, hilflos, hoffnungslos und ohne Schutz sind, wollen wir für sie da sein und ihnen nach Kräften beistehen.
Unserem Dienst liegt das christliche Menschenbild zugrunde. Das bedeutet:
- Wir achten den Wert und die Würde eines jeden Menschen; seine Einmaligkeit verstehen wir als Gabe Gottes;
- seine Lebensgeschichte wollen wir als Chance von Gott für ihn selbst und für seine Mitmenschen erkennen;
- wir respektieren seine Freiheit und Eigenständigkeit.
Unsere Bereitschaft, die eigene Überzeugung offen zu vertreten, schließt die Achtung vor anderen Überzeugungen ein. Menschen, denen unsere Kultur fremd ist, brauchen unser besonderes Verständnis.
Unsere gemeinsame Arbeit
Von ihrer Ausbildung und Tätigkeit bringen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aller Arbeitsbereiche die für ihren Beruf grundlegenden Kenntnisse und Fähigkeiten mit. Die regelmäßige Fortbildung aller ist jedoch eine wichtige Voraussetzung zur Erfüllung unserer Aufgaben.
Die Schwesternschaft berät ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei der Gestaltung ihres Berufsweges.
Eine Weiterbildung für besondere Funktionen und Leitungsaufgaben bedarf der gezielten und vertrauensvollen Planung.
Für die gute Zusammenarbeit bei den alltäglichen Aufgaben ist die Wahrnehmung und Achtung jeder und jedes einzelnen mit ihren/seinen unterschiedlichen Gaben und Kenntnissen eine wichtige Voraussetzung. Dadurch entsteht eine Atmosphäre gegenseitigen Vertrauens, in der jede und jeder sich angenommen fühlen kann und vorhandene Ängste im Umgang miteinander abgebaut werden.
Das Bewusstmachen und Fördern der Gaben der einzelnen wirkt sich positiv auf die berufliche und persönliche Entwicklung aus. Durch lobende Anerkennung wird die Motivation gestärkt und die Bereitschaft zur Mitgestaltung gefördert. Konflikte werden angesprochen und gemeinsam angegangen; dabei ist es wichtig, eigene Schwächen zugeben zu können.
Kritik kann offen ausgesprochen und verarbeitet werden in der Achtung voreinander und in gegenseitiger Vergebungsbereitschaft.
Von leitenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern erwarten wir einen besonders sorgfältigen Umgang mit der Macht. Dazu gehört auch die Beteiligung aller Betroffenen an wichtigen Informationen.
Von allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern erwarten wir, dass sie notwendige Entscheidungen respektieren und mittragen.
Für das Gelingen eines guten Miteinanders in der Zusammenarbeit im Team und der verschiedenen Berufsgruppen untereinander ist es nötig, dass wir einander achten und annehmen.
Es ist wichtig, dass wir Freude mit- und aneinander erleben. Dazu sollen vorhandene Begegnungsmöglichkeiten genutzt und neue geschaffen werden.
Die Teilnahme an geistlichen Angeboten der Schwesternschaft, bei denen sowohl die biblische Grundlage als auch deren Umsetzung in heutige Situationen im Vordergrund steht, ist eine persönliche Bereicherung, stärkt die Zusammengehörigkeit und wird erwartet.
Ein gefestigter geistlicher Standpunkt schließt die Offenheit für Andersdenkende ein.
Herausforderungen für den diakonischen Dienst
Auf der Basis der christlichen Verantwortung hat die Schwesternschaft die Aufgabe, ihren Dienst den Erfordernissen der Zeit anzupassen, ohne sich in eine falsche Abhängigkeit von jeweiligen Zeitströmungen zu begeben.
Bei der Gestaltung von Gestellungsverträgen ist darauf zu achten, dass das Leitbild der Schwesternschaft berücksichtigt wird.
Bei der Gestaltung und Führung eigener Einrichtungen achtet die Schwesternschaft darauf, dass moderne Erfordernisse und Möglichkeiten in Verbindung mit Gesichtspunkten christlichen Zusammenlebens und sparsamen Haushaltens beachtet werden. Dabei ist uns auch die Bewahrung und Schonung der Schöpfung wichtig.
Aspekte eines modernen Managements und neue Erkenntnisse zur Organisationsentwicklung sollen dazu dienen, Raum zu schaffen für die Förderung menschlicher Kooperation und Kommunikation. Dabei sollen die Beteiligten die wichtigen Informationen erhalten und in die Entscheidungsprozesse einbezogen werden.
Die Schwesternschaft ist bemüht, neue Aufgaben rechtzeitig zu erkennen, innerhalb der Schwesternschaft ins Gespräch zu bringen und eigene Vorstellungen für ihre Realisierung zu entwickeln.
Veränderungen sollen nicht nur auf Druck von außen als Reaktionen vorgenommen werden, sondern aufgrund aktiver, eigener Zukunftsplanung.
Die Verantwortung für die uns anvertrauten Menschen gebietet uns, dass sich alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kundig machen über die Weiterentwicklung in ihrem Berufsfeld.
Auch für die Weiterentwicklung der Gesundheits- und Krankenpflege, der Altenpflege und der Familienpflege weiß sich die Schwesternschaft mitverantwortlich.
Die laufende Weiterentwicklung von Medizin, Wissenschaft und Technik erfordert für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Schwesternschaft nicht nur Fortbildung, sondern gleichzeitig Gesprächsmöglichkeiten für die dadurch aufbrechenden ethischen Fragen. Dasselbe gilt für die Veränderungen in Familie und Gesellschaft.
Vom Schwesternrat verabschiedet am 10. Januar 1998
Nach der Vereinigung der Herrenberger und Korntaler Schwesternschaft überarbeitet im November 2007